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Team Velocity einfach berechnen

von Alexander Axthelm | 17. September 2019

  7 Minuten

Person zeigt mit Kugelschreiber auf ein Diagramm.

Velocity unterstützt die Planung agiler Teams

Agile Teams verwenden Story Points, um User Stories und andere Backlog Items relativ zu beschätzen. Bei einer relativen Schätzung wird die Größe (der Aufwand) für jedes Backlog Item im Verhältnis zu anderen Stories betrachtet. Die Velocity ist der Ausgangspunkt für die Berechnung der Kapazität eines Teams für eine zukünftige Iteration (auch Sprint).

Velocity als Indikator für Produktivität

Als Velocity wird die Geschwindigkeit des Teams in der Fertigstellung des zu Beginn jeder Iteration definierten Arbeitsvorrats bezeichnet. Anders gesagt, ist sie ein Anhaltspunkt für die Produktivität eines Teams. Basierend auf dem historischen Durchschnitt aller pro Iteration abgeschlossenen Backlog Items und der damit gelieferten Summe an Story Points, kann der zu erwartende Leistungsumfang des jeweiligen Teams vorhergesagt werden.

Die Velocity unterstützt das Verständnis für die Lieferfähigkeit des Teams.

 

Hinweis: Wichtig ist, dass Backlog Items agiler Teams mit Story Points relativ zueinander geschätzt werden. Häufig wird hierfür eine abgewandelte Form der Fibonacci-Folge (1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100) verwendet. Da agile Teams in der Normierung ihrer Schätzung grundsätzlich frei sind, ist es in aller Regel nicht zielführend die Produktivität basierend auf der Velocity teamübergreifend zu vergleichen.

Normierung in skalierten Umgebungen

Einzelne oder wenige Scrum Teams, die unabhängig voneinander agieren oder in weniger komplexen Vorhaben unterwegs sind, können in der Regel gut mit den unterschiedlichen Velocities der Teams arbeiten. Hier ist lediglich die Team Velocity entscheidend.

Skalierte Ansätze, wie beispielsweise SAFe® (Scaled Agile Framework), erfordern hingegen eine Normierung der Schätzwerte, um eine aggregierte Sicht auf die Lieferfähigkeit mehrerer Teams zu erhalten. Diese wirkt mit dem Lean Portfolio Management (LPM) und dem Aufbau von Product Roadmaps über mehrere Teams oder Release Trains (ART) zusammen. Die Normierung ermöglicht, dass basierend auf der gemeinsamen Leistungsfähigkeit der Teams eine Roadmap entwickelt werden kann, die ein realistisches Bild vermittelt. Bei der Budgetierung von Vorhaben kann im Idealfall bereits eine erste Abschätzung erfolgen, wie viele Inhalte umgesetzt werden können.

Normierungen erleichtern ein übergreifendes Verständnis und erleichtern die Datenbasis für höhere Level.

 

Bei der Normierung nach SAFe® werden Backlog Items ebenfalls relativ geschätzt und folgen der Fibonacci-Folge. Anders als in einzelnen Scrum Teams jedoch findet diese relative Schätzung anhand von Personentagen statt.

Planung anhand der tatsächlichen Leistungsfähigkeit von Teams

Die Velocity der Teams zu kennen hilft, dabei die Planung von Lieferungen basierend auf der tatsächlichen Lieferfähigkeit des Teams vorzunehmen. Auf diese Weise kann das Arbeiten und damit die Work in Progress (WIP) des Teams begrenzt werden. Multitasking wird reduziert, wodurch der sich die Teams stärker auf die aktuellen Inhalte konzentrieren können. Das bringt auf kurz und lang zahlreiche Vorteile, wie beispielsweise:

  • Steigerung der Abschlussorientierung
  • Höhere Fertigstellungsraten
  • Zufriedenere Kunden
  • Verlässlichere Planungen
  • Stärkung der Transparenz
  • Engagiertere Mitarbeiter

Verlässlichkeit von Lieferungen etablieren

Klassische Schätzungen bilden meist eine Aufschlüsselung von Personentagen auf diverse Arbeitspakete ab. Problematisch ist hierbei, dass diese Schätzungen von Einzelpersonen (meist Experten) getroffen werden. Daraus ergeben sich meist sehr ambitionierte Aufwände, die in der Regel durch die später ausführenden Mitarbeiter nur schwer eingehalten werden können. Dies führt oftmals zu Verzögerungen, die sich intern mit Nachfinanzierungen und extern mit verspätetem Kundennutzen niederschlagen.

Mit der richtigen Datengrundlage hilft die Velocity dabei ein Forecasting aufzubauen.

 

Die Velocity hilft dabei diese Verzögerungen zu vermeiden. Basierend auf der tatsächlichen und bestenfalls mit historischen Daten hinterlegten Produktivität eines Teams oder einer gesamten Organisation. Dadurch kann, wie bereits zuvor beschrieben, die Velocity auch dabei helfen abzuschätzen, wie lange es dauert, Features oder Epics zu liefern.

Velocity das erste Mal ermitteln

Haben Sie ein einzelnes Team, dass nun zum ersten Mal eine Iteration, beispielsweise 2 Wochen beplanen soll, können Sie wie folgt vorgehen:

  1. Sammeln Sie die Backlog Items (Aufgaben), die das Team umsetzen soll
  2. Nutzen Sie Story Points und Planning Poker zum relativen Schätzen im Team
  3. Ermitteln Sie die Verfügbarkeit des Teams für die kommende Iteration
  4. Lassen Sie das Team entscheiden, mit welcher Arbeitsmenge es sich für die kommende Iteration zutraut
  5. Halten Sie die Ergebnisse fest

Haben Sie mehrere Teams, die gemeinsam zum ersten Mal eine oder sogar mehrere Iterationen beplanen sollen, können Sie wie folgt vorgehen:

  1. Prüfen Sie, ob für ihre gewähltes Vorgehensmodell eine Normierung Sinn macht
  2. Nutzen Sie entweder eine Standard Normierung (beispielsweise SAFe®) oder legen Sie individuell mit den Teams einen Ansatz fest
  3. Sammeln Sie die umzusetzenden Backlog Items
  4. Lassen Sie die Teams die Backlog Items beschätzen
  5. Ermitteln Sie die Verfügbarkeit der Teams für den zu planenden Zeitraum
  6. Lassen Sie die Teams die geschätzten Aufgaben über den Zeitraum verteilen
  7. Achten Sie darauf, dass nicht mehr Arbeit verplant ist, als Kapazität vorhanden
  8. Halten Sie die Ergebnisse fest

Beispiel Ermittlung initiale Velocity nach SAFe®:

Team 1 – 1 Product Owner, 1 Scrum Master, 5 Teammitglieder
Team 2 – 1 Product Owner, 1 Scrum Master, 8 Teammitglieder

Die erste Iteration ist 2 Wochen lang, keine Feiertage und aus Team 2 sind in Woche 1 und 2, jeweils 2 Teammitglieder im Urlaub.

Berechnung:

1 Teammitglied zählt 8 Punkte (2 Wochen = 10 Tage – 20%) bei voller Verfügbarkeit. Urlaub und andere Abwesenheiten müssen von der Verfügbarkeit abgezogen werden.

Team 1 – Velocity Iteration 1
5 x 8 Punkte = 40 Punkte
>> alle Mitglieder sind durchgehend anwesend

Team 2 – Velocity Iteration 1
4 x 8 Punkte + 4 x 4 Punkte = 48 Punkte
>> 4 Mitglieder sind vollständig anwesend, 4 sind jeweils 1 Woche abwesend

Vorlage für die Ermittlung der Velocity

Insbesondere bei der Vorbereitung von PI Plannings ist es hilfreich die Velocity vor dem Event zu ermitteln. Dabei könne Sie beispielsweise auf Erfahrungswerte aus abgeschlossenen Iterationen zurückgreifen. Tools, wie Jira bieten Ihnen hier zahlreiche Auswertungen an, wie zum Beispiel das Velocity Chart. 

Alternativ bietet es sich an vor dem PI Planning eine Abfrage über die Scrum Master der Teams zu starten. Basierend auf den Abwesenheiten durch Urlaub, Schulungen und ähnlichem wird die Kapazität der Teams ermittelt.

Unsere kostenfreie Vorlage hilft Ihnen, die Velocity schnell auf Basis der verfügbaren Kapazität der Teammitglieder zu ermitteln. Sie können diese über den nachfolgenden Link herunterladen.

Alexander Axthelm

Alexander Axthelm

Lean-Agile Executive Coach & Entrepreneur

Gründer von Scaled Innovation mit der Motivation die Innovationskraft von Unternehmen nachhaltig zu verbessern. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Coach und Berater im Umfeld von Transformationen. Dabei unterstützt er bei der Optimierung der Wertschöpfung und der Bewältigung der damit verbundenen Change-Prozesse.

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